Hintergrund
Seit einiger Zeit betreibt die Deutsche Gesellschaft für Musikpsychologie den DGM Online Testing Server (DOTS; Deutsche Gesellschaft für Musikpsychologie, o. D.). Hier werden eine Reihe musikpsychologischer Testverfahren sowie assoziierte Erhebungen etwa zu Persönlichkeitsmerkmalen oder zur Soziodemographie bereitgehalten. Im Forschungsalltag bedeutet dies eine erhebliche Arbeitserleichterung, da entsprechende Inventare und Fragebögen nicht jedes Mal wieder neu auf typischen Erhebungsplattformen wie SoSci Survey, Qualtrics, Lime-Survey oder gar auf Papier eingerichtet werden müssen. Die DOTS-Administrator:innen bieten an, Testbatterien modular zusammenzustellen. In der Regel ist dieser Service für DGM-Mitglieder kostenlos. Der DOTS-Server basiert auf dem Open-Source-Framework psychTestR (Harrison, 2020) und ermöglicht es selbstverständlich, die in den verschiedenen Modulen erhobenen Daten pro befragte Person zusammenzuführen. Darüber hinaus wird eine individuelle Session-ID erzeugt, die an eine aufrufende URL angehängt werden und somit an externe Erhebungsplattformen weitergegeben werden kann.
In der Untersuchung "The pleasure of recognition" (welche separat zur Publikation eingereicht werden soll) sollten mit DOTS zunächst allgemeine Angaben zur Person und deren musikalischen Vorerfahrung erhoben werden und die Studienteilnehmer:innen anschließend zur Continuous Response-Plattform emoTouch (Louven et al., 2026) weitergeleitet werden. Dieses Tool bietet die Möglichkeit, die Session-IDs von der aufrufenden Plattform zu übernehmen und in den eigenen Datensatz zu integrieren. Dies kann beispielsweise durch ein einfaches, in eine HTML-Seite integriertes JavaScript realisiert werden. Eine Besonderheit der vorliegenden Untersuchung bestand zudem darin, dass die Studienteilnehmer:innen die Möglichkeit bekommen sollten, bei entsprechendem Interesse mehrere emoTouch-Durchläufe wahrzunehmen (diese bezogen sich auf das Musikerkennen in verschiedenen Genres). In der Praxis gestaltete sich die Realisierung des JavaScripts als durchaus schwierige Aufgabe, die eine intensive Zusammenarbeit aller genannten Autor:innen erforderte. Wir möchten dieses Skript mit der Community teilen, um das Prinzip verständlich zu machen und ähnliche Forschungsdesigns in der Zukunft zu erleichtern.
Technisches Forschungsdesign
Das technische Forschungsdesign wird anhand des Flowcharts in Abbildung 1 beschrieben. Alle dazugehörigen Dateien sind auf dem GitLab-Server der Universität Kassel hinterlegt (siehe den Abschnitt Ergänzende Materialien). Die Seite musikerkennen1.html enthält einen Begrüßungstext und Hintergrundinformationen zum Forschungsvorhaben. Nach dem Start der Untersuchung werden die Studienteilnehmer:innen zum DOTS-Server weitergeleitet. Hier wurde eine individuelle Kombination aus Erhebungen zur (1) Basisdemographie und dem sozioökonomischen Status und (2) zur musikalischen Vorerfahrung (music engagement test, MET; vgl. Greenberg & Rentfrow, 2015) zusammengestellt. Während der Bearbeitung auf DOTS sieht die URL z. B. wie folgt aus:
Anschließend wird von DOTS zur Seite musikerkennen2.html weitergeleitet. Die aufrufende URL sieht dann beispielsweise so aus:
Darin wird jetzt das Argument p_id (also die Session-ID) gesetzt. Es handelt sich um einen langen alphanumerischen String (in diesem Fall auf Hexadezimalzahlen beschränkt). In musikerkennen2.html muss folglich das JavaScript zum Einlesen und zur Handhabung dieser Session-ID enthalten sein.
Sichtbar für die Studienteilnehmer:innen ist auf dieser Seite nur eine Auswahl an 11 Musikgenres, die mit Hyperlinks zu jeweils eigenen emoTouch-Erhebungen verlinkt sind. An diese URLs wird durch das JavaScript die zuvor aus DOTS übernommene Session-ID angehängt, um sie an emoTouch weiterzugeben. Bei der dazugehörigen URL ist zu beachten, dass der Variablenname von p_id zu s1 geändert werden muss (nur s1-s6 sind in emoTouch frei definierbare Variablen). Der fertige Link sieht beispielsweise so aus:
Das Handling der Session-IDs wird von emoTouch automatisch realisiert. Nach Durchlaufen der Erhebung zu einem einzelnen Genre wird von emoTouch zu musikerkennen2.html zurückgeleitet und an diese URL die Session-ID als nunmehr s1 angehängt bzw. zurückgegeben. Nun sieht die URL wie folgt aus:
Das JavaScript in musikerkennen2.html muss durch den Variablennamen s1 nunmehr erkennen, dass es nicht von DOTS (hier lautete der Variablenname p_id), sondern von emoTouch aufgerufen wird, um die Session-ID weiter übernehmen zu können. Die Studienteilnehmer:innen können ihrerseits beliebig viele Schleifen durchlaufen. Alternativ wird in musikerkennen2.html die Möglichkeit angeboten, die Studie durch Schließen des Browserfensters zu beenden.
Abbildung 1
Flowchart zum technischen Forschungsdesign
Anmerkung. Für die Verfügbarkeit der Software siehe den Abschnitt Ergänzende Materialien.
Das kommentierte JavaScript
In Abbildung 2 wird das in musikerkennen2.html enthaltene JavaScript in kommentierter Form wiedergegeben. An dieser Stelle muss noch erwähnt werden, dass zur Ausführung bestimmter Befehle des Skripts auf dem Server (hier im Ordner /js) die Bibliothek /js/jquery-3.7.1.slim.min.js bereitgestellt werden muss. Diese sorgt dafür, dass alle gängigen Browser unterstützt werden und bietet einfache Selektoren, um über alle Links zu iterieren (eine Umsetzung mit nativem JavaScript wäre prinzipiell ebenfalls möglich, aber schwerer nachvollziehbar und auch schwieriger auf andere Umgebungen anzupassen). Zur Einrichtung der erforderlichen Konstellation muss lediglich die genannte Datei in den betreffenden Ordner kopiert werden. Auch die js-Bibliothek befindet sich in den ergänzenden Materialien zu diesem Beitrag.
Abbildung 2
Das verwendete JavaScript
Fazit
Im Frühstadium der erwähnten Untersuchung zum Musikerkennen wurden die Datensätze aus DOTS und emoTouch einander provisorisch durch die enthaltenen Zeitstempel zugeordnet. Dies basierte auf der Annahme, dass kurz nacheinander absolvierte Befragungen auch zusammengehören, kann aber etwa dann zu Fehlern führen, wenn mehrere Personen (fast) gleichzeitig an der Befragung teilnehmen. Das vorgestellte JavaScript löst dieses Problem. Durch Programmierung der wenn-dann-Bedingung konnte eine Session-ID sowohl übernommen werden, wenn sie (wie von DOTS) als p_id als auch wenn sie (wie von emoTouch) als s1 in der URL übergeben wird. Da die zweite Stufe der Befragung (ggf. mit mehreren Schleifen) mit emoTouch realisiert wurde, wird die Session-ID hier immer als s1 weitergegeben. In der nachfolgenden Datenauswertung wurden zunächst separate Tabellen von DOTS und von emoTouch einbezogen. Die Zuordnung zu den einzelnen Studienteilnehmer:innen konnte nunmehr durch die jeweils enthaltenen, individuellen Session-IDs gewährleistet werden.
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